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Inhaltsstarke Klimaschutz-Podiumsdiskussion des kfd-Diözesanverbandes Münster

Janine Steeger, Lars Wittenbrink, Friederike von Wedel-Parlow, Judith Everding, Anne Nibbenhagen, Dunja Karabaic, Maren Arndt

Regelmäßig rückt die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) im Bistum Münster den Klimaschutz in den Vordergrund. Mit mehr Bewusstsein ein nachhaltiges Leben führen - das sei eine Vision der kfd, betont Judith Everding (kfd-Vorstandsvorsitzende) in ihrer Anmoderation der Podiumsdiskussion rund um Klimaschutz in Mode, Kunst und Kultur am 20.11.2021.
Bei der ausgebuchten Veranstaltung mit rund 100 Zuschauern im atmosphärischen LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster sprachen fünf Gäste über die Entwicklung von nachhaltiger Mode, Recycling und Second-Hand, menschenwürdigen Produktionsbedingungen und das Potential, das Mode für den Klimaschutz hat.

Mit der Frage, inwieweit der Nachhaltigkeitsgedanke die Mode und Kultur verändert, eröffnet die Moderatorin des Abends Anne Nibbenhagen (Christliche Initiative Romero) die Diskussionsrunde mit fünf Podiumsgästen aus der Modebranche. Alle bestätigen, dass der Bereich nachhaltige Mode enorm gewachsen ist. Sie sind zuversichtlich, dass ein Wertewandel in den Köpfen der Menschen stattfindet und ein Umdenken begonnen hat.

So sieht Maren Arndt, Vorstandsmitglied der Schule für Modemacher Münster, den Nachhaltigkeitsgedanken im Lebensbereich Mode und Kultur bislang eher vernachlässigt. In der praxisorientierten Ausbildung der Schule für Modemacher spiele Klimaschutz jedoch eine übergeordnete Rolle.
Heute müssen Anforderungen an die Produktionsökologie, Sozialstandards in der Textilproduktion, Corporate Social Responsibility und Sustainability  - also soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit - direkt  mitgedacht werden, so Arndt. Schon jetzt kann mit Hilfe von intelligenten, digitalen Systemen die Kreislauffähigkeit von Produkten geprüft werden.

„Mode gehört von Grund auf neu gedacht!“ ist das Credo der jungen Frau, die für Mode/Lifestyle und Markenberatung zuständig ist. Selbstverständlich trägt Maren Arndt auch selbst ein Bühnenoutfit, dass schon einige Jahre in ihrem Besitz ist. Sie schätzt daran die Qualität, die Verarbeitung und den Schnitt und wird diese Kleidung noch öfter tragen - selbst wenn es nicht die „Schnitte der Saison“ sind. Der Minimalismus ist auch in der Mode eingezogen – es zählt nicht mehr nur die Masse

Modenschau rückt nachhaltige Mode ins Scheinwerferlicht

Wie upgecycelte Avantgarde-Mode aussehen kann, zeigen Studentinnen der ersten und dritten Klasse der Schule für Modemacher in einer Modenschau auf dem Laufsteg des Foyers. Die jungen Frauen präsentieren ihre eigenen Designs in einer eindrucksvollen Show, die durch viel Beifall vom Publikum begleitet wird. Alle Entwürfe stammen aus Recyclingstoffen oder gebrauchter Kleidung.
Beim Anblick der Kleidung zum Thema „Nachhaltig picknicken“ zeigt sich ein Schmunzeln in den Augen mancher Zuschauer*innen - Roben aus Picknickdecken mit Münstermotiv machen deutlich, wieviel Spaß die reizvollen und kreativen Entwürfe der Jungdesignerinnen machen.  

Wir brauchen relevante und zukunftsfähige Mode, bei dem die Qualität im Einklang mit Einkaufsspaß, Schönheit und Ökologie steht

Friederike von Wedel-Parlow ist Designerin und Professorin an der Akademie für Mode & Design in Berlin und unterrichtet Sustainable Design Strategies in der Modebranche und Kreativwirtschaft. Was die Berlinerin antreibt, ist ihr Verständnis von Nachhaltigkeit als eine Verbindung von Qualität, Innovation und Schönheit.

Die Professorin setzt auf eine neue Generation von bewussten Konsument*innen und Unternehmer*innen. Sie ist überzeugt, dass in den Student*innen ganz viel Power für unsere Zukunft steckt! Sie suchen mit viel Kreativität nach Lösungen, nachhaltigen Materialien und Stofflichkeiten. Von Wedel-Parlow erlebt im Diskurs mit den Student*innen, dass eine neue Qualität in der Mode aufkommt. Weil Ressourcen heute begrenzter sind als in vorigen Generationen, wächst hier eine Solidarität und das Gefühl, dass eine Veränderung nur im Miteinander funktioniert.

Janine Steeger, bekannt als „Green Janine“, begeistert Menschen für einen nachhaltigen Lifestyle und fördert mit ihrer Organisation FUTUREWOMAN Frauen, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen. Ihre Vision: „Lifestyle muss nicht notwendigerweise Verzicht bedeuten, sondern kann uns auch Gewinn bringen, denn Mode und Kultur vermitteln ganz viel Freude.“
Es funktioniere nicht, dass Verbraucher*innen von Anfang an alles richtig machen, aber „ich glaube, dass sich hier noch viel entwickeln kann“, so Steeger.
Auf dem Fashion-Markt gibt es viele gute lösungsorientierte Ansätze. Auch die Global Player und Mode-Ketten denken um und etablieren eigene öko- und faire Modemarken. Ein absolutes Muss sei der Wandel zu menschenwürdigen Produktionsbedingungen.

Dunja Karabaic ist Künstlerin/Designerin und Gründerin des „bureau gruen“, das Unternehmen und Kommunen darin unterstützt, nachhaltige Projekte kreativ zu kommunizieren. Sie sieht Mode als positiven Beitrag zu unserer Welt. Zeitgemäße Mode bewege sich heute im Dreiklang zwischen Ökologie, Ökonomie und Verantwortung.

Bei jedem Einzelnen kann die Motivation zur Nachhaltigkeit gestärkt werden – durch Berichterstattung in den Medien, aber auch durch Bekannte, die uns von ihrer Second-Hand-Kleidung erzählen und damit Nachhaltigkeit ganz nebenbei vorleben, so Karabaic. Durch solche positiven Impulse kann jeder für den Klimaschutz motiviert werden. Der psychologische Aspekt, sich gegenüber dem Klimawandel nicht machtlos zu fühlen, sei nicht zu unterschätzen und gebe Kraft für einen Systemwandel in der Mode. Dunja Karabaic weiß, wovon sie spricht. Sie begeisterte mit dem Festival für Design und Nachhaltigkeit ökoRAUSCH eine breite Öffentlichkeit für nachhaltiges Design und ist überzeugt: „Mit Kreativität können wir die Transformation in ein nachhaltiges Leben schaffen!“.

Lars Wittenbrink ist Blogger und verkauft in seinem Concept-Store Grüne Wiese in Münster seit 2008 zeitgemäße nachhaltige Kleidung, Schuhe und Accessoires aus fairer Produktion und ökologischen Materialien sowie umweltschonender Verarbeitung.
Wittenbrink stellt fest, dass das Thema nachhaltige Mode seit 2008 sehr breit geworden ist und die Verbraucher*innen inzwischen ein hohes Wissen über die Begriffe „öko“ und „fair“ und diverse Nachhaltigkeitssiegel erworben haben. Gab es in den 2000er Jahren lediglich ein paar Online-Shops für nachhaltige Mode, so können Konsument*innen jetzt in ökofairen Mode-Shops einkaufen, was ihnen gefällt – ihre ethischen Kriterien seien dort bereits erfüllt. Der Zugang zu nachhaltiger Mode ist damit deutlich einfacher geworden und ein Systemwandel viel näher, als wir bisweilen denken, so der Unternehmer. Er wünsche sich, dass die Politik mehr in die Pflicht genommen werde, um auf europäischer Ebene ökosoziale Standards zu etablieren und Lieferketten zu verbessern.

Wo Innovation stattfindet, liegt oft ein Frauennetzwerk zugrunde!

Zum Abschluss thematisierten die Podiumsgäste die ungleiche Geschlechterverteilung. Lars Wittenbrink sei zwar der einzige Mann auf diesem Podium, in der Mode-Branche sei dies allerdings anders. Obwohl viel mehr Frauen als Männer in der Mode tätig sind (z.B. in der Produktion), sei diese eindeutig männlich dominiert. Männer stehen als Designer im Vordergrund, aber auch an der Spitze der modeproduzierenden Unternehmen.
Alte Strukturen wie diese sind hinderlich, wenn es darum geht, einen dringend notwendigen Wandel in der Mode- und Kreativwirtschaft durchzuführen. Erst muss sich die Haltung verändern, dann kann auch der Bereich Mode dazu beitragen, dass die Welt „umweltpositiver“ wird, erläutert Maren Arndt.

Die kfd im Bistum Münster gab mit dieser spannenden Podiumsdiskussion wieder einmal Denkanstöße dafür. Die Stärke des Frauenverbandes liegt darin, Themen wie den Klimaschutz vielschichtig anzugehen.
In der nächsten kfd-Klima-Podiumsdiskussion am 29.03.2022 geht es um zukunftsweisende Urteile und Gerichte als Akteure im Umweltschutz.

Die Veranstaltung wurde von Gebärdensprachdolmetschern übersetzt.
Für den musikalischen Genuss sorgte die Akustikband Duo M.

 

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