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kfd-Delegierte setzen sich mit LGBTQ*I auseinander

kfd-Diözesanverband Münster lädt Diversity-Beauftragte Iris Horstmann zur Diözesanversammlung ein

Wie viele andere christliche Verbände und Organisationen kämpft die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) im Bistum Münster für Toleranz und gleiche Rechte in der sogenannten LGBTQ*I-Bewegung (englische Abkürzung für lesbisch, schwul, bisexuell, trans, queer und intersexuell).

Zur Versammlung ihrer Delegierten am 23. Oktober 2021 im Franz Hitze Haus lud die kfd jetzt Iris Horstmann als erste Diversity-Beauftragte des Bistums Münster ein. Die 54-jährige Pastoralreferentin mit Lehrauftrag für „Diversity Management“ baut den Kontakt zu Gruppen auf, die sich mit „Vielfalt“ befassen.

In ihrem lebendigen Vortrag erklärt Horstmann, dass es DIE Frau und DEN Mann eigentlich nicht gibt, sondern die Geschlechteridentitäten sich durch biologische und soziale Aspekte herausbilden und lebenslang verändern.
So, wie unsere Körper sich an die Anforderungen im Leben eines Menschen anpassen durch Sport, Hormone, Umwelteinflüsse oder das Alter, so ist auch unsere Geschlechtlichkeit einem Wandel unterworfen, erklärt sie. Das Geschlecht sei eher „fluide“ und die Formen von Geschlechtlichkeit vielfältig.

Ein wissenschaftlicher Ansatz belege, dass Geschlechtlichkeit zudem auch durch Machtstrukturen beeinflusst werden kann. Beim synodalen Weg der katholischen Kirche wird diese Erkenntnis unter dem Gesichtspunkt „Klerikalismus“ diskutiert. „Kirche“ bestehe nicht nur aus männlichen Vertretern der Amtskirche, sondern aus vielen Gemeindemitgliedern, die Kirche gestalten. Diese Menschen sind vielfältig und sie wollen Vielfalt. Derzeit steht auf dem Prüfstand, wieviel Meinungsvielfalt die Gemeinschaft der katholischen Kirche verträgt.

Wenn Anders-Sein normal wird, dann ist Teilhabe möglich

Mit diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Diversität „sind wir mitten im gesellschaftlichen Diskus. Es gibt eine Entwicklung, die nicht mehr zurückgenommen werden kann“, bekräftigt Iris Horstmann.

Dass es nicht mehr nur binäre Geschlechterrollen gibt (weiblich oder männlich), nicht mehr nur heterosexuell oder homosexuell, werfe viele Fragen auf, die im Alltag zu Verwirrung führen können. Diese zeigen sich zum Beispiel beim Einsatz von gendergerechter Sprache oder dem Umgang mit Transsexuellen, diskutierten die kfd-Frauen in der Gruppenarbeit.

„Die Menschen erleben hier eine große Unsicherheit“, so Horstmann. Dieser sog. „gender trouble“ bewegt aktuell viele Menschen, wenn es um LGBTQ*I geht. Es sei darum wichtig, dass wir uns mit respektvollem Anstand gegenüber andersgeschlechtlichen Menschen verhalten und „dass wir die Vielfältigkeit in unserer Umgebung, unserem Alltag und unserer Kirche sichtbar machen“, so Horstmann.

Anerkennung von Vielfalt braucht die Offenheit für alles, was ist.

Ein erster Schritt, so rät die Referentin ihren Zuhörerinnen, bestehe darin „sprachfähig zu werden“, ohne sich schämen zu müssen, die Begrifflichkeiten von LGBTQ*I nicht zu wissen. Sprache hilft, die eigenen Gefühle und Eindrücke im Kontakt zu queeren Menschen zu verbalisieren und ins Gespräch zu kommen.

Ute Albrecht (Geistliche Leiterin des kfd-Diözesanverbandes Münster) bekräftigt „Wir müssen lernen, über LGBTQ*I zu sprechen und über die ausgrenzende Begriffe. Es steht uns gut zu Gesicht, wenn wir als kfd uns damit auseinandersetzen!“
Der kfd-Diözesanverband im Bistum Münster ruft daher im Anschluss seine 450 Frauengemeinschaften auf, auf allen Ebenen in den Diskurs zu gehen und Vielfalt durch kreative Formen erfahrbar zu machen.

Als Antwort auf das Dekret des Papstes, homosexuelle Menschen nicht zu segnen, zeigen die kfd-Frauen bereits seit dem Frühjahr (Regenbogen-) Flagge und setzen sich mit dem Statement „Mein Gott liebt und segnet alle Menschen“ für eine gerechte Gesellschaft und gegen die ungerechte Behandlung gleichgeschlechtlicher Paare ein.

Erste Live-Diözesanversammlung seit 2019

Bei der ersten Live-Versammlung seit zwei Jahren freuten sich alle Teilnehmerinnen über die persönliche Begegnung. Das neue Geschäftsführungsduo Andrea Temming und Maria Terbeck konnte sich den Delegierten zum ersten Mal persönlich vorstellen.

  • Schon am Freitag, 22.10.2021 begrüßten die kfd-Frauen aus den Regionen die vielfältigen politischen Aktivitäten des Diözesanverbandes zum Klimaschutz, zur geschlechtergerechten Bezahlung, zur Diversität und zu Frauenrechten. Sie stellten sich einstimmig hinter die „Erklärung von Münster zur Lohngerechtigkeit“.
  • Bei der Versammlung beschritt die kfd neue Wege und nutzte erstmals eine sehr demokratische und partizipative Methode zur Entscheidungsfindung (systemisches Konsensieren).
  • Die Kommission für Agrarfragen stellte ihre Arbeit vor – eine wichtige Säule in der politischen Arbeit des Diözesanverbandes.
  • Auch über die Entwicklung der Initiative „Gleichberechtigung.Amen“ und den synodalen Weg tauschten sich die kfd-Frauen aus.
  • Am Abend stellte das Theater des urbanen Intermezzos vom Frauenzeitalter mit dem Titel „Macht + Pracht“ gängige Muster und Machtstrukturen in Frage.

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