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Heils und Leidensweg für Frauen

Eine Installation der Künstlerin Monika Brenner, in der sie entlang des Leidensweges Jesu Heiles und Brüchiges im Leben von Frauen in sieben Stationen gestaltete, diente als Grundlage für einen "Heils- und Leidensweg für Frauen", der seit Februar 2012 von Interessierten Gruppen, Verbänden, Gemeinden ausgeliehen werden kann.

Die im Rahmen der "Entdeckungstour für die Seele" im Jahr 2011 entstandenen Installationen sind als Fotografien auf große Laken gedruckt, die im Kirchenraum auf dem Boden oder wie im Original über Matratzen ausgebreitet werden können. Ein Textheft bietet liturgische Anregungen für die Durchführung einer Wegliturgie, die den Lebens- und Leidensthemen von Frauen wie häusliche Gewalt oder Demütigung, Salbung und Empathie nachspürt. Bildkarten zu jeder Station dienen dazu, die Impulse mit in den Alltag nehmen zu können.

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PDF Flyer Heils- und Leidensweg für Frauen  

Text: Marietheres Stockhofe-Fernandes, Referat Frauenseelsorge
E-Mail: frauen(at)bistum-muenster(dot)de
Foto: Joachim Busch


Heils- und Leidensweg für Frauen - Das Konzept

I. Einleitung zur Vorbereitung: Zur Theologie der Matratzen

Im Rahmen der „Entdeckungstour für die Seele - Frauen erleben Spiritualität“, die 2011 von dem Referat Frauenseelsorge/Hauptabteilung Seelsorge organisiert wurde, hat die Künstlerin Monika Brenner sieben unterschiedlich gestaltete Laken auf Matratzen zum Thema Heiles und Brüchiges im Leben von Frauen ausgestellt. Sie hat hierfür sieben Stationen des Leidensweges Jesu Christi aufgegriffen. Theologie auf der Matratze - geht das?

Auf den ersten Blick mutet ein solcher Leidens- und Heilsweg von Frauen auf Laken über Matratzen seltsam an - vielleicht sogar anstößig. Darf man die Leidensgeschichte Jesu, des Gottessohnes, mit einem so intimen und zugleich alltäglichen Gegenstand verbinden?

Auf einer Matratze spielt sich die ganze Bandbreite des Lebens ab. Sie ist Ort von Leben, Liebe und Leiden. Kinder werden geboren, Menschen sterben. Ein verliebtes Paar erlebt Stunden der Liebe und Lust. Eine Frau wird vergewaltigt. Eine Prostituierte empfängt ihren Freier. Eine Kranke hat vom ständigen Liegen offene Wunden. Eine Matratze ist Ort von Träumen ebenso wie von Alpträumen.

Ja, der Kreuzweg von Monika Brenner provoziert. Sie holt das Leiden Christi in unser Leben, in unseren Alltag. Genau dort will Gott sein. Bei den Menschen, besonders bei denen, die leiden und nach Hilfe und Zuwendung schreien. Gott ist Mensch geworden - das ist die eigentliche Provokation.

Als Mensch ist Gott an die Orte gegangen, wo er gebraucht wurde. Die Samariterin wie die Sünderin - sie alle haben Gottes Menschenfreundlichkeit und Güte in Jesus Christus am eigenen Leibe erfahren. Auch wir dürfen darauf vertrauen. Gott ist bei uns, er begleitet unser Leben. Freude und Trauer, Liebe und Hass, Mitleid und Spott – all dies ist ihm nicht fremd. Verfolgt und gepeinigt, ans Kreuz genagelt bis zum Tod weiß er, was Schmerzen sind, kennt das Gefühl von Angst und Verlassenheit. 

Hinsehen, hingehen, sensibel und aufmerksam werden für Leid und Not. Monika Brenner hat sich diesem Anspruch gestellt und das Heil und das Leiden zu Hause in den Blick genommen.


II. Zur Gestaltung des Heils- und Leidensweges für Frauen

In der Kirche, innerhalb eines Pfarrheimes oder Tagungshauses oder an einem anderen passenden Ort werden die Laken (1 m x 2,4 m) in einigem Abstand ausgelegt. Matratzen können, wenn vorhanden, den Untergrund bilden.
Die Bildkarten werden an das Fußende der jeweiligen „Matratze“ in ausreichender Anzahl auslegt. Die Bildkarten sind für die Teilnehmerinnen zur Mitnahme gedacht. Neben einem Foto der Station, dem Titel und Kommentierung der Künstlerin befindet sich im Innentext einer jeden Bildkarte das Gebet, welches am Ende der jeweiligen Station gemeinsam laut gebetet wird.

Die Bildbetrachtung jeder Station steht zu Beginn, dann eine kurze Stille. Dann folgt die biblische Erzählung und das immer wiederkehrende Lied aus dem Gotteslob.
Der aktualisierte Bezug wird durch den Kommentar und die Schlagzeilen herausgestellt.
Am Ende einer jeden Station steht das gemeinsame Gebet.

Der Weg kann mit einer brennenden Kerze begleitet werden.

Der gesamte Stationenweg endet mit einem Segen.


III. Die Stationen des Heils- und Leidensweg für Frauen

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen. Ich möchte Sie alle herzlich begrüßen zu unserem Leidens- und Heilsweg für Frauen

1. Station: Frauen als Gedemütigte

1. Station: Frauen als Gedemütigte

Bildbetrachtung

Vor uns ein leuchtend rotes Laken. Ein Satinbettlaken, aus dem rote, stachelige Borsten hervorragen. Es sind die Borsten mehrerer Straßenbesen, die zusammen genommen eine Kreuzform ergeben. Oben bilden sechs Straßenbesen den Querbalken und darunter acht Straßenbesen den Längsbalken. Es ist die Kreuzform des „Tau“. Das Tau ist der Anfangsbuchstabe des griechischen Wortes "tapeinos“, das in der Übersetzung ‚demütig, niedrig’ bedeutet. Auf der Matratze bleibt kein Platz um sich hinzulegen. Das Kreuz dominiert die Fläche - die Farbe Rot dominiert das Bild.

Biblische Erzählung: Jesaja 53, 3ab und 7 ab
Verachtet und von den Menschen gemieden, voller Schmerzen, vertraut mit Krankheit. Bedrängt, aber sie beugte sich und öffnet ihren Mund nicht.

Lied Gl 845
Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns vor allem Bösen. Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft, sei in uns, uns zu erlösen. Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft, sei in uns, uns zu erlösen.

Kommentar
Liebe, Zärtlichkeit, Erotik - das Satinbetttuch in der Signalfarbe Rot weckt solche Assoziationen. Doch nicht selten entwickeln sich hinter glänzenden Fassaden die Orte der Liebe und Zärtlichkeit, zu Orten borstiger Stacheln, zu Orten stechender Gewalt.
Hinter den Fassaden entwickeln sich Beziehungen zu einem Gefängnis. Dieses Gefängnis ist getränkt mit den Schrecken und Schmerzen der Erniedrigung, symbolisiert im groben Straßenbesen. Gebettet auf der Fassade von Liebe und Zuneigung bleibt nach Außen der Schein gewahrt und die quälenden Schmerzen bleiben nach Innen gefangen. Einerseits wird das Leben zu Hause beschönigt, versteckt und geleugnet, obwohl andererseits der Leidensweg durch die Alltäglichkeit von Demütigung und Misshandlung immer oben auf liegt. Frauen nehmen das Kreuz auf ihre Schulter.

Schlagzeile
Im eigenen Heim leben Frauen am gefährlichsten. Weltweit ist das so - auch in Deutschland. Häusliche Gewalt ist die häufigste Ursache von Verletzungen bei Frauen:
Häufiger als Verkehrsunfälle und Krebs zusammen genommen. Bildung, Einkommen, Alter und Religionszugehörigkeit sind dabei völlig bedeutungslos. Jährlich fliehen rund 40 000 Frauen mit ihren Kindern in Frauenhäuser.

Gebet
Wir beten gemeinsam:

Heile mich.
Verletzt vor vielen Jahren trage ich die Wunde - lebenslang?
Dünne Haut wächst, wird weggerissen - immer wieder. Verletzt immer neu, spüre ich die Sehnsucht - heile mich! Lege deine Hand in meine Wunde, berühre sie behutsam und halte mich heilend Du, mein Heiland.
(M-L. Langwald, S. 164)

2. Station: Das Leid einer Mutter

2. Station: Das Leid einer Mutter

Bildbetrachtung
Vor uns liegt eine schwarz gewandete Matratze. Im Kontrast dazu eine Babypuppe, eingewickelt in weiße Mullbinden als sichtbare Unterbrechung. Das Köpfchen ist auf ein kleines farbiges Kissen gebettet. Das wächsern erscheinende Gesicht zeigt uns zwei geschlossene Augen und einen ruhenden Mund. Pucken meint ein eng eingepacktes, eng anliegendes Einwickeln von kleinen Babys. Mit der Wickeltechnik des Puckens wird den Armen und Beinen kein Raum für heftige und unkontrollierte Bewegungen gegeben. Diese vertraute Enge, welche der Säugling aus dem Mutterleib gewohnt war, wirkt beruhigend und vermittelt das Gefühl von Geborgenheit. Das gewählte Tuch bei dieser Puppe hingegen-- eine Mullbinde - weckt bedrohliche Assoziationen. Verstärkt werden diese durch ein einziges Accessoire: eine elastische Wickel- oder Verbandklammer

Biblische Erzählung: Lk 2,34-35
Simon segnete sie und sprach zu Maria, der Mutter des Kindes: „Siehe, dieser ist bestimmt, viele in Israel zum Fallen und zum Auferstehen zu bringen, und zu einem Zeichen, das Widerspruch herausfordert - auch dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen - damit die Gedanken aus vielen Herzen enthüllt werden.“

Lied Gl 845
Bewahre uns Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns in allem Leiden. Voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten, voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten.

Kommentar
Die schwarze Matratze als Impuls für Sterben und Tod wird noch verstärkt durch die die darauf liegende stramm gewickelte Puppe. Die Puppe schreit danach, aufgenommen zu werden. So klein und so verloren in diesem großen Schwarz.  Wir können uns vorstellen, dass sich - wie Simeon verheißen hat - ein Schwert durch die Seele Mariens bohrt, als sie ihrem Sohn auf dem Kreuzweg begegnet ist. Die Verletztheit und das Schwert, welches durch die Seele dringt, können viele Mütter nachempfinden, wenn sie die Erlebnisse mit verstorbenen Kindern vor Augen haben. Welche Trauer, Traurigkeit und Ohnmacht geht mit diesem Erlebten einher! So schlicht die Botschaft erscheint, so ergreifend plastisch ist der Schmerz zu spüren. Wie Maria, die Mutter Jesu, stehen sie am Rande und leiden die Qualen einer Mutter, die hilflos zusehen muss, wie ihr Kind sterben wird oder gestorben ist.

Schlagzeile
Hilflosigkeit und Verzweiflung, Trauer, Wut, aber auch Hoffnung - von diesen Gefühlen berichtet Anne Schneider in dem von ihr und ihrem Mann veröffentlichtem Buch „Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist“. Entlang Bonhoeffers „Von guten Mächten“ berichtet das Paar, das ihre gemeinsame Tochter Maike im Alter von 22 Jahren verloren hat, von dem Schmerz des Abschiednehmens, vom Fragen und Zweifeln, vom Zittern und Weinen, vom Klagen und Anklagen und vom Sprachloswerden. Aber auch von dem Gefühl, sich trotz alledem „wunderbar geborgen“ zu fühlen.

Gebet
Wir beten gemeinsam:

Noch will das Alte unsere Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das Du uns geschaffen hast. Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern, des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus Deiner guten und geliebten Hand. Lass warm und hell die Kerzen heute flammen, die Du in unsere Dunkelheit gebracht, führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen! Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht. (Dietrich Bonhoeffer GL 846, 2,3,5)

3. Station: Frauen als Heilsbringerinnen

3. Station: Frauen als Heilsbringerinnen

Bildbetrachtung
Ein in einem erdfarbigen, warmen Braun gestaltetes Laken. Darauf ein Leinentuch, welches am oberen Ende einen Korb bedeckt und sich von dort aus im wahrsten Sinn über das Laken ergießt. Die vielen gelbfarbig wirkenden Flaschen ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Ein Korb bis an den Rand voll mit gefüllten Fläschchen ergießt seinen Inhalt über das Laken. Die hervorquellenden  einzeln drapierten Fläschchen sind beschriftet und wecken dadurch eine besondere Neugierde für den Inhalt und die Botschaft. Das Tuch und die Öle in unterschiedlichster Konsistenz und Farbe stellen eine assoziative Verbindung zu Veronika her, die mit ihrem Schweißtuch Jesu Leiden linderte. Veronika wird aktiv. Solche aktiven Menschen stehen in dieser Station im Mittelpunkt: Frauen, die wie Veronika mitfühlen, wenn andere leiden und die aktiv werden, um sich ihnen zuzuwenden. Die kleinen und großen mitfühlenden, Schmerz lindernden Taten, die Frauen in diese Welt hineintragen, sind symbolisiert durch die kleinen, Öl gefüllten und beschrifteten Fläschchen.

Biblische Erzählung: Mt 26,6-13
Jesus hielt sich in Betanien auf, im Hause Simons, der an einer schweren Hautkrankheit litt. Als er dort zu Tisch lag, kam eine Frau zu ihm mit einer Alabasterflasche voll kostbarem Öl und goss es auf seinen Kopf. Die Jüngerinnen und Jünger sahen das und wurden ärgerlich. Sie sagten: „Was soll diese Verschwendung? Das Öl hätte für viel Geld verkauft werden können, das dann den Armen gegeben werden könnte.“ Da Jesus das merkte, sagte er zu ihnen: „Warum macht ihr dieser Frau Vorwürfe? Sie hat eine gute Tat für mich vollbracht. Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer. Sie hat dieses Öl auf meinen Körper gegossen; sie tat es, um mich für das Grab vorzubereiten. Wahrhaftig, ich sage euch, wo immer in der ganzen Welt diese Freudenbotschaft bekannt gemacht werden wird, wird auch über ihre Tat gesprochen werden, um an sie zu erinnern.“

Lied Gl 845
Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns durch deinen Segen. Dein heiliger Geist, der Leben verheißt, sei um uns auf unsern Wegen. Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt, sei um uns auf unsern Wegen.

Kommentar
Viele Menschen beobachten und begleiten Jesus auf seinem Leidensweg zum Kreuz. Manche stehen hilflos daneben oder wenden sich verzweifelt ab. Andere wie Veronika werden aktiv und wenden sich Jesus helfend zu. Hilflos zusehen - nicht wissend, was Not tut - ängstlich zurückweichen - vor Schreck versteinert sein …
Sich anderen helfend zuzuwenden ist nicht leicht. Auch Veronika konnte Jesu Tod nicht verhindern. Aber oft sind es die kleinen Taten im Leben, die mehr bewegen, als es zunächst erscheint. Veronika hat durch ihre mitfühlende Geste ein Zeugnis ermöglicht: Sie hat ein Bild von Jesus geschaffen. Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf die leeren Fläschchen vor Ihnen lenken. Womit würden Sie diese füllen können? Welche kleinen oder großen Taten von Ihnen oder von anderen Frauen kommen Ihnen in den Sinn, wenn sie diese Laken betrachten?

Schlagzeile
Gertrud Luckner (1900 – 1995) war eine christliche Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus, die für ihr Handeln vielfach geehrt worden ist. 1943 wurde sie als politischer Häftling auf einer ihrer Dienstreisen verhaftet und in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück eingeliefert. Sie gehört zu den Überlebenden des so genannten Todesmarsches und zu denjenigen Gefangenen, die die Befreiung durch sowjetische Truppen erlebten. Nach ihrer Rückkehr nach Freiburg gründete Luckner das Referat „Verfolgtenseelsorge“ an der Caritaszentrale und engagierte sich für den jüdisch-christlichen Dialog. Sie selbst sagt über ihren Einsatz für Kriegshilfe und Flüchtlinge, dass sie finde, dass sie „gar nichts Besonderes gemacht“ habe.

Gebet
Wir beten gemeinsam:

Und Gott machte eine Frau aus mir, mit langem Haar, Augen, Nase und Mund einer Frau.
Mit runden Hügeln und Falten und weichen Mulden, höhlte mich innen aus und machte mich zu einer Menschenwerkstatt.
Verflocht fein meine Nerven und wog sorgsam meine Hormone aus.
Mischte mein Blut und goss es mir ein, damit es meinen Körper überall bewässere.
So entstanden die Gedanken, die Träume, die Instinkte.
All das schuf er behutsam mit seinen Atemstößen und seiner bohrenden Liebe, die tausendundein Dinge, die mich täglich zur Frau machen, derentwegen ich stolz jeden Morgen aufwache und mein Geschlecht segne.
(Gioconda Belli, S.127)

4. Station: Frauen als Mutlose und Leidende

4. Station: Frauen als Mutlose und Leidende

Bildbetrachtung
Bei der vierten Station fällt das lila Laken sofort ins Auge und lässt an die Fastenzeit als Zeit der Umkehr und Buße denken. Eingeteilt und kartographiert durch eine Drahtauflage, die den Eindruck eines Käfigs macht. Über das Drahtgestell komplett der Länge der Matratze nach aufgelegt sind fünf dickere Bindfäden, die zwei Mal an den Rändern ganzflächig gespannt sind und einmal in kleinen Wellenbewegungen ganzflächig aufliegen. Zwei Fäden sind unterbrochen, durchgeschnitten - liegen versetzt. Die Fäden symbolisieren Lebenswege und Brüche in Biographien - verursacht durch Krankheit und Leid. Die Drähte stehen für Bewegungseinschränkung und Eingesperrtsein, für Unterdrückung und Demütigung.
Die durchtrennten Fäden und das Drahtelement machen einen offenen und detaillierten Blick auf die zwei darunter liegende Skizzen schwierig.
Die Zeichnung im Vordergrund zeigt den Kopf einer Person, die mit schmerzhaft geöffnetem Mund und zusammengekniffenen Augen ihren Kopf auf einem Kissen ablegt. Die hintere Zeichnung zeigt die gleiche Person ein zweites Mal; dieses Mal ist der Mund geschlossen. Die Augen sind geöffnet, sehen aber leer und müde aus. Schmerz und Kraftlosigkeit sprechen aus dem einen - Erschöpfung und Mutlosigkeit aus dem anderen Bild.

Biblische Erzählung: Jeremia 15,17-18
Nie saß ich im Kreise der Fröhlichen, dass ich mich freute. Unter deiner machtvollen Hand sitze ich einsam, weil du mich mit Groll erfüllt hast. Warum dauert mein Leiden ewig, warum ist meine Wunde unheilbar, sie lässt sich nicht heilen? Du bist für mich wie ein trügerisches, nicht verlässlich fließendes Wasser geworden.

Lied Gl 845 
Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns auf unsern Wegen. Sei Quelle und Brot in Wüstennot, sei um uns mit deinem Segen. Sei Quelle und Brot in Wüstennot, sei um uns mit deinem Segen.

Kommentar
Die Lebensfäden sind durchbrochen. Abgeschnittensein vom Leben, gefangen wie in einem Käfig - das kann ein persönlicher Zusammenbruch, eine schwere seelische oder körperliche Erkrankung sein. Das Niedergedrücktsein alter oder kranker Frauen, die in ihrer Hilflosigkeit einsam sind und isoliert werden. Und trotzdem haben sie ein Gesicht, welches nach Zuwendung, Ansprache und Mit-Leiden dürstet. Die Last ist erdrückend. Wer kann helfen? Wer kann heilen?

Schlagzeile
Einsamkeit füllt die Räume von Pflegeheimen. Einsamkeit fühlt sich wie ein beharrlicher Schmerz an. Der Schmerz bleibt nicht verborgen. Er wird von den Besucherinnen und Besuchern und Angehörigen ebenso wahrgenommen wie vom Personal. Es scheint aber, als ob sich viele damit abgefunden hätten.

Gebet
Wir beten gemeinsam:

Den Tag geweint
die Nacht geweint
und schwer im Mund das Angstgewürg
den Tag allein
die Nacht allein
hab mich verirrt im Schmerzenswald
und ruf Dich Gott
komm berge mich
die tausend abertausend Scherben
Träne, Flüche, Sterben-wollen
komm in den Tag
komm in die Nacht
komm tröste und bewahre mich
(Carola Moosbach, S. 70).

5. Station: Frauen als Hilflose und Trauernde

5. Station: Frauen als Hilflose und Trauernde

Bildbetrachtung
Das sandfarbene Laken macht durch seine Struktur auf sich aufmerksam: Die längs gestochenen Nähte teilen die Matratze in fünf Spalten; durch die darauf liegenden rechteckigen Bilder entsteht der Eindruck, die Matratze bestünde aus vielen eckigen Waben. Darauf aufgesteckt sind neun lederne Zeichnungen von Kindergesichtern. Es sind Zeichnungen, die von Kindern stammen könnten. Keines der Gesichter zeigt einen lächelnden Mund. Wann immer ein Mund gezeichnet wurde - und das ist nicht immer der Fall - hängt er hinunter oder bildet einen Strich. Auffällig sind die großen Augen, die den Gesichtern eine gruselige Atmosphäre verleihen. Mit Ausnahme eines roten Kreises in der Halsgegend eines Kindes - der Assoziationen an Blut hervorruft - dominiert ein tiefes Schwarz und ein blasses Grau die Bilder. Dunkle Kindheitstage. Stilles Leiden. Angst und Trostlosigkeit. Davor nicht sichtbar, aber fühlbar, die weinenden Frauen, die Mütter dieser Kinder.

Biblische Erzählung: Sacharja 12,12-14
Das Land hält Totenklage, Sippe um Sippe für sich, für sich die Sippe des Hauses David und für sich ihre Frauen, für sich die Sippe des Hauses Natan und für sich ihre Frauen, für sich die Sippe des Hauses Levi und für sich ihre Frauen, für sich die Sippe Schimi und für sich ihre Frauen; 14alle Sippen, die übrig sind, Sippe um Sippe für sich und für sich ihre Frauen.

Lied GL 845
Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns auf unsern Wegen. Sei Quelle und Brot in Wüstennot, sei um uns mit deinem Segen. Sei Quelle und Brot in Wüstennot, sei um uns mit deinem Segen.

Kommentar
Die Religionslehrerin Inger Hermann berichtet in ihrem Erfahrungsbericht über ihre Arbeit an Sonderschulen mit „entwurzelten, geschundenen, gedemütigten Großstadtkindern“. Jede Stunde geht sie mit ihnen „in die Tiefe ihrer dunkelsten Alltagserfahrungen hinein“ und versucht dieser etwas entgegenzusetzen. In den von ihr festgehaltenen, erschreckenden Geschichten wird spürbar, wenn Kinder Gewalt erleiden, dann sind ihre Seelen bis an ihr Lebensende verletzt. Wo Mütter das hilflos miterleben müssen, wo Mütter über sich und ihre Kinder weinen, da entsteht ein tiefer Schmerz, der nicht in Worte gefasst werden kann. Auf seinem Leidensweg begegnet Jesus den weinenden Frauen. Er ist bei ihnen, bei ihrer Trauer, bei ihren Tränen, bei ihrer Sorge um ihre Kinder.

Schlagzeile
„Und die Mutter? Die muss doch wissen, wenn so was in der Familie passiert. Ich würde es jedenfalls sofort merken.“ Schnell gesagt, aber versetzen wir uns einmal in die Lage einer Mutter, deren Mann das eigene Kind missbraucht: Der Täter weiß, dass es für ihn gefährlich wird, wenn sich das Mädchen oder der Junge der Mutter anvertraut. Also versucht er systematisch, einen Keil zwischen Mutter und Kind zu treiben. Selbst wenn Mütter den Missbrauch erahnen oder davon erfahren, ist der Gedanke so unfassbar, dass sie es oft nicht glauben können. Eine Mutter in dieser Situation befindet sich in einem Schockzustand, sie ist im höchsten Grade verletzt und betrogen. Sie braucht sehr viel Unterstützung und Rückenstärkung, um diese Kränkung zu überwinden und der Verantwortung, die sie für ihr Kind hat, gerecht zu werden.
(gekürztes Zitat aus http://www.lebensgeschichten.org/missbrauch/familie.php)

Gebet
Wir beten gemeinsam:

Gott segne deine Augen, dass du weinen kannst und nicht in der Kälte deiner Trauer erstarrst.
Gott segne deine Begegnungen, damit du Menschen findest, die dir geduldig und verstehend zuhören.
Gott segne dich damit, dass dein Glaube nicht zerbricht und deine Hoffnung wächst, denn sie sieht und hört, tröstet und befreit unseren Tod zu neuem Leben.
(Ida Lamp, S. 74)

6. Station: Frauen als Gebrochene und Erniedrigte

6. Station: Frauen als Gebrochene und Erniedrigte

Bildbetrachtung
„Hier fällt der Blick zuallererst auf „das, was fehlt“. Ein Foto von einer entblößten Frau mit ausgestreckten Armen und einer fehlenden Brust. Die Frau liegt da - wie gekreuzigt.
Die Haut unterhalb des Halses ist auffällig bleich gegenüber der Gesichtsfarbe. Der Teil des Körpers scheint vor der Sonne geschützt oder nach außen versteckt worden zu sein.
Zwischen Foto und Matratze liegt locker ein raues, beige-graues Tuch. Die Nummerierung 1048 und die Grobheit des Stoffes stellen die Verbindung zur Kleidung von KZ-Häftlingen dar. Diese Verbindung steht stellvertretend für Entblößung, Erniedrigung und Nacktheit, denen KZ-Häftlinge ausgesetzt waren.

Biblische Erzählung: Joh 19,23-24
Als die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und das Unterkleid und teilten sie in vier Teile, für jeden der Soldaten einen. Das Unterkleid war ungenäht, von iben in einem Stück gewebt. 24Sie sagten zueinander: „Wir wollen es nicht zerschneiden, sondern losen, wer es bekommt.“ Dies geschah, damit die Schrift erfüllt werde, die sagt: ‚Sie haben meine Kleider unter sich aufgeteilt und über meine Kleidung das Los geworden.‘ Das taten die Soldaten.
 
Lied GL 845
Bewahre uns Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns in allem Leiden. Voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten. Voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten.

Kommentar
Der Mantel des Schweigens wird entfernt. Verborgenes Leiden wird offenbar. Narbiges  und Brüchiges im Leben von Frauen ist zumeist verdeckt. Die Körperlichkeit und hier die Brüchigkeit des Körpers ist selten Bestandteil von Kommunikation im Alltag. Wie geht es Dir? meint zumeist nicht die Frage nach der körperlichen Entstellung - die häufig aber gefühlt obenauf liegt. Sei es die fehlende Brust oder der gekrümmte Fuß: die Unvollständigkeit des Körpers wird als tiefe Scham empfunden und es soll keinen Ort geben, an dem ich meiner Kleider beraubt werden kann, damit diese Narben sichtbar werden. Die Verbindung zur Bekleidung von KZ-Häftlingen unterstreicht das Ausmaß der Verborgenheit. „Wir haben doch nichts gewusst“ betonen Abertausende deutscher Zeitgenossen, wenn es darum geht, die Unbeschreiblichkeiten der Demütigung und Tötung von Menschen zur Kenntnis zu nehmen. Allein die Darstellung verborgenen Leidens ist für Viele nicht auszuhalten. Genau dies trifft auch persönliche Lebensbezüge von Frauen heute. Verschont uns mit entstellten oder wundgeplagten Körpern! Auch die Entblößung ist im Leiden Jesu enthalten: Jesus wird seiner Kleider beraubt! Alles ist sichtbar, spürbar, ansehbar. Es gibt keine Verstellung mehr.

Schlagzeile
Eine Krankheit wie Brustkrebs stellt einen tiefen Bruch in der Biographie von Frauen dar. Die Onkologin Krause-Brinkmann beobachtet, dass es Frauen häufig gelingt, diesen Bruch als Erfahrung zu integrieren und aus Brüchigem Heiles zu gewinnen. So zeigen Frauen, die unter Brustkrebs leiden, häufig eine große Bereitschaft, ihr Leben nachhaltig zu ändern.

Gebet
Wir beten gemeinsam:

Gott, ich möchte nicht stehen bleiben bei dem Schmerz, der Trauer, dem Misstrauen, der Wut und meiner abgrundtiefen Verzweiflung.
Ich möchte begreifen und verstehen lernen, was nicht zu fassen und doch geschehen ist.
Gott, gibt es einen Weg für mich, für uns gemeinsam in die gleiche Richtung oder gehe ich allein schwer belastet.
In Dunkelheit und Ungewissheit weiß ich nicht wohin.
Es liegt nicht in meiner Macht Gott, schenke mir die Kraft, Kommendes durchzustehen und anzunehmen, was Du für mich bereitet hast.
(Ingrid von Eigen, S. 59)

7. Station: Frauen als Gekreuzigte und Heilsbotinnen

7. Station: Frauen als Gekreuzigte und Heilsbotinnen

Bildbetrachtung
Vor uns auf einem ockerfarbenen Laken zwei große Holzstücke. Unübersehbar, dass diese einen Corpus mit zwei abgewinkelten Armen und Beinen darstellen. Unter, über und zwischen diesem leblosen, schwarzen Holz wächst grüne Kresse. Sie bettet in Herzform gepflanzt die Hüfte der Holzfigur, wächst in seiner Mitte aus dem schiefen Körper hervor und stellt schließlich zwischen den beiden Armen den Kopf der Person dar.
Das Treibholz wurde an Ufern gefunden und könnte aufgrund seiner Maserung und seiner Gestalt ganze Geschichten erzählen, aber wie es nun so daliegt, steht es symbolisch für Gebrochenheit, Leid, Entstellung und Tod. So erinnert auch der erdige Untergrund an Graberde. Überraschend sind die gewählten Übergänge: der saftige, breite Grüngürtel aus Kresse zwischen Ober- und Unterkörper unterbricht die Schwere und Dunkelheit. Die Kressefülle unterhalb des Beckens lässt erahnen, wie stark das Grün das tote Holz tragen kann. Alles deutet auf eine Verbindung  zwischen Leid und Hoffnung, Tod und Leben. Abgelegt, aber nicht am Ende. Aus dem Tod erwächst eine neue tragfähige Zukunft.

 

 


Biblische Erzählung: Joh 20,11-18
Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie weinte, beugte sie sich in das Grab hinein und sah zwei Engel in weißen Kleidern dasitzen, einer am Kopf und einer an den Füßen, wo der Körper Jesu gelegen hatte. Sie sagten zu ihr: „Frau, warum weinst du?“ Sie sagte zu ihnen: „Sie haben meinen Rabbi fortgenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingebracht haben.“ Als sie dies gesagt hatte, drehte sie sich um und sah Jesus dastehen, aber sie wusste nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: „Frau, warum weinst du? Wen suchst du?“ Sie dachte, dass er der Gärtner wäre, und sagte zu ihm: „Herr, wenn du ihn weggetragen hast, sage mir, wo du ihn hingebracht hast, und ich werde ihn holen.“ Jesus sagte zu ihr: „Maria!“ Sie wandte sich um und sagte zu ihm auf Hebräisch: „Rabbuni!“ - das heißt Lehrer. Jesus sagte zu ihr: „Halte mich nicht fest, denn ich bin noch nicht zu Gott, meinem Ursprung, aufgestiegen. Geh aber zu meinen Geschwistern und sage ihnen: Ich steige auf zu meinem Gott und eurem Gott, zu Gott, der mich und euch erwählt hat.“ Maria aus Magdala kam und verkündete den Jüngerinnen und Jüngern: „Ich habe Jesus den Lebendigen gesehen.“ Und dies hat er ihr gesagt.

Lied GL 845
Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott sei mit uns durch deinen Segen. Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt, sei um uns auf unsern Wegen, dein heiliger Geist, der Leben verheißt, sei um uns auf unsern Wegen.

Kommentar
Am Grab eines Menschen, der im eigenen Leben eine große Rolle gespielt hat, kommt es vor, dass die Gedanken auf Wanderschaft gehen. Nicht nur zurück ins Leben, zu Erlebnissen oder Ereignissen der Vergangenheit, sondern auch in die Gegenwart und die Zukunft. Man reflektiert was war, was ist und was sein wird. Nirgendwo wird einem die eigene Endlichkeit, zumindest die Endlichkeit dieses Lebens, so vor Augen geführt wie hier. Doch am Anfang des christlichen Glaubens stand nicht der Tod Jesu am Kreuz, sondern der Jubel des Ostermorgens: die Erfahrung, dass der Gott Jesu kein Gott des Todes, sondern ein Gott des Lebens ist. Ende und Anfang, dicht beieinander. Vom Grab her entsteht eine neue Perspektive auf das Leben. Leiden, Sterben und Tod sind nicht das Ende. Aus dem Tod erwächst eine neue Zukunft.

Schlagzeile
Scrabble am Grabstein

„Den Tod zurück ins Leben“ holen - anstatt Sterblichkeit und Trauer, wie weithin üblich, einfach zu verdrängen. Der aktuelle Parcours einer Kunstaktion auf dem alten St. Mätthaus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg soll den Betrachter aufhalten, ihn innehalten und stutzen lassen. Auf den Steinplatten an der Urnenwand nahe dem Haupteingang stehen die Namen der Verstorbenen. Und zwischen all diesen Erinnerungsflächen sind immer wieder Urnenfächer, die von keiner Platte bedeckt sind, weiß ausgemalt, darin ein Granitbrocken, ein blutbeflecktes Tuch, eine Festplatte - Lebensspuren. Zwischen den Grabmalen stehen kleine Kästchen, in denen Scrabble-Buchstaben Begriffe bilden wie „warm“ oder „spüren“. Andere Installationen bringen leere Hüllen aus Plastik im Schwarzlicht zum Leuchten oder lassen Rasen in Buchstabenform wachsen, so dass er die Worte „Grass grows“ - „Gras sprießt - ergibt. Die Lebensspuren wachsen in uns, durch uns und mit uns weiter.
(Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/scrabble-am-grabstein/4522112.html)

Gebet
Wir beten gemeinsam:

Gott, Quelle und Mutter des Lebens, Du hast uns berufen, als Töchter mit Dir und als Schwestern miteinander zu leben. Im Ja des Glaubens gebierst Du uns neu. Im Wasser Deiner Fruchtbarkeit wäschst Du ab, was uns festhält und bindet.

Atme uns in Deinem Geist, gib uns Flügel der Freiheit und Füße der Treue, Rosen der Geduld und Lichter des Herzens, schließe auf, was sich vor Dir verdunkeln will. Dann gehen  wir unbeirrt in den Spuren deines Sohnes unseren eigenen und unseren gemeinsamen Weg.
(Aurelia Spendel, S. 94)


Abschlusssegen

Zum Ende dieses Kreuzweges stellen wir uns unter Gottes Segen und laden ein, dies mit Gesten und Berührungen zu untermalen.

Gott, Dein Lebensatmen hüllt uns ein wie die Luft, die wir atmen.
Hände auf die Augen legen.

Hülle uns ein - segne unsere Augen, öffne sie für die Farben unserer Schöpfung.
Hände auf die Ohren legen.

Hülle uns ein - segne unsere Ohren, öffne sie für die Lebensgeschichten der anderen Menschen.
Hände auf den Mund legen.

Hülle uns ein - Segne unseren Mund, öffne ihn für Hoffnungsworte.
Rechte Hand auf die Schulter der Nachbarin legen, die linke Hand auf das eigene Herz.

Hülle uns ein und segne uns alle, lass uns spüren, dass wir alle durch dich verbunden sind.
Bleibe um uns und in uns.

So segne uns Gott - der uns wie Mutter und Vater ist, durch Christus unseren Wegbegleiter, im Lebensatem, der alles umhüllt.

(Ursula Schell)