Alles frisch auf den Müll
Diskussionsveranstaltung der Katholischen Landfrauen Bewegung (KLFB) im Bistum Münster zur Lebensmittelvernichtung
22.11.2011 Münster/Bistum Münster. „Unsere Kühlschränke sind zu Vorzimmern der Abfalleimer geworden!“ Provozierend und schockierend zugleich, diese These und Filmsequenz aus dem Dokumentarfilm „Taste the Waste“, der seit Anfang September diesen Jahres in den Kinos läuft.
Valentin Thurn, Regisseur des Filmes und Buchautor von „Die Essensvernichtung“ war zu Gast bei der Katholischen Landfrauen Bewegung (KLFB) im Bistum Münster, die in der Kolping-Bildungsstätte in Coesfeld im Rahmen ihrer Delegiertenkonferenz eine Podiumsdiskussion zum Thema Lebensmittelvernichtung veranstaltete. „Wir beten jeden Tag: Unser tägliches Brot gib uns heute - aber wie gehen wir damit um?" fragte Margret Sundrum, Sprecherin des Diözesanleitungsteams der KLFB zu Beginn. Die reichen Industrieländer erlauben sich über Jahre eine gigantische Lebensmittelvernichtung. Allein in Deutschland werden jedes Jahr 15 bis 20 Millionen Tonnen weggeworfen, schätzte Valentin Thurn. Seit Jahren versucht er Ursachen und Folgen dieser schockierenden Tatsache auf den Grund zu gehen.
Mit ihm auf dem Podium diskutierte Karin Eksen, Geschäftsführerin des Einzelhandelsverbandes Westfalen-Münsterland. Sie wies die Schuldzuweisungen gegen den Handel zurück und betonte die Schlüsselrolle der Verbraucher. Der Handel richte sich nach den Anfragen der Verbraucher, alles muss jederzeit verfügbar sein. Auch Thurn bestätigte, dass jeder Verbraucher etwas tun könne, von ihrer Machtposition her seien aber vor allem auch Politik, Erzeuger und Handel gefragt.
Ein entscheidender Punkt bei der Lebensmittelvernichtung sei das Mindesthaltbarkeitsdatum. Im Einzelhandel werden schon vor Ablauf dessen Produkte aus sortiert und vernichtet. Das sei völlig irrational. So sei bei korrekter Lagerung beispielsweise Joghurt in der Regel noch drei Wochen nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums genießbar. Viele Menschen kennen laut Thurn die Bedeutung dieses Datums nicht kennen. Sie würden aber dahingehend auch durch die Hersteller manipuliert, die dadurch mehr absetzen könnten.
„In Deutschland leben wir einen regelrechten Frischewahn“, kommentierte Thurn die Werbung eines Kölner Bäckers, der seinen Umsatz mit der Werbung steigere, seine Brötchen seien nicht älter als eine Stunde. „Brot verbrennen ist pervers“, kritisierte der engagierte Journalist die Tatsache, dass oft 20% der Brotproduktion eines Tages vernichtet wird, da unter anderem große Handelsketten immer volle Brotregal bis Geschäftsschluss verlangten. Ein Problem sah er aber auch darin, dass die EU verboten habe, Speisereste an Schweine zu verfüttern. Eksen betonte, der Verbraucher habe die eigentliche Macht, er setze dem Einzelhandel Bedingungen. Und der Kunde wolle eben immer volle Regale - auch noch kurz vor Geschäftsschluss. Auch sie kritisierte eine falsche Mindesthaltbarkeitsgläubigkeit - vor allem auch bei jungen Leuten.
„Wir brauchen eine neue Kultur der Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln“, zeigte Thurn einen möglichen Lösungsansatz auf. Ein Drittel aller Erwachsenen könne heute nicht mehr kochen, Kinder wissen immer weniger, wie Gemüse wächst und Lebensmittel hergestellt werden. Kein Wunder, dass Fast Food und Fertiggerichte boomen. „Trauen Sie wieder mehr Ihren Sinnen beim Einkauf“, ermunterte Thurn zum Schluss die mehr als 60 Anwesenden, „und richten Sie Ihren Einkauf nicht nur an Mindesthaltbarkeisdatum und genormten Kartoffeln aus.“ Themen wie Stadtgärten, Kochen in Schulen und Kindergärten, Hinterfragen des eigenen Einkaufsverhaltens und das bewusste Miteinander Kochen in der Familie bestimmten die abschließende Diskussionsrunde.
Marita Teunissen
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
E-Mail: teunissen(at)bistum-muenster(dot)de
Hintergrund:
Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) ist mit rund 600.000 Mitgliedern die größte Frauenorganisation in der Bundesrepublik. Sie setzt sich für die Interessen von Frauen in Kirche, Politik und Gesellschaft ein.
Der kfd-Diözesanverband Münster e. V. ist mit rund 140.000 Mitgliedern der größte Diözesanverband im kfd-Bundesverband.

